Wülfingmuseum Radevormwald: Industriegeschichte im Tal der Wupper
Das Wülfingmuseum in Radevormwald zeigt eindrucksvoll die Geschichte von Arbeiterkultur und Textilproduktion im Bergischen Land. Entdecken Sie Industriegeschichte live!
- Von den Anfängen der Tuchmacherei bis zur Industrieikone
- Arbeiteralltag und soziale Verantwortung in der Textilfabrik
- Technikgeschichte: Dampf, Wasser, Elektrizität und moderne Produktion
- Die Wupper – Industriefluss und Lebensader
- Das Museum heute: Erinnern, Erleben, Verstehen
Von den Anfängen der Tuchmacherei bis zur Industrieikone
Wurzeln im 17. Jahrhundert: Die Entstehung der Textiltradition
TL;DR: Die Geschichte der Familie Wülfing reicht bis in die Zeit um 1674 zurück. Mit dem Zusammenschluss der Familien Wülfing und Hardt fiel der Grundstein für eine lange Tradition der Tuchherstellung in Lennep, die fortan das industrielle Werden des Tals der Wupper prägen sollte.

Das aus Familiengeschichte gewachsene Unternehmen bewährte sich über Jahrhunderte. Die ersten Jahre zeugen von handwerklicher Konkurrenz und geschicktem Unternehmergeist, der mit technischen Innovationen immer wieder den Strukturwandel meisterte. Knappe Jahre, wie während der französischen Besatzung um 1811, führten sogar zur zweckbedingten Auswanderung nach Eupen und zurück.
Vom Buschhammer zur modernen Textilfabrik
Die Transformation von Eisenhämmern zur Tuchproduktion markiert einen epochalen Schritt: Wasserkraft und später Dampfmaschinen schufen die energetische Grundlage für industriellen Fortschritt. Bereits 1834 beförderte eine Dampfmaschine der Aachener Firma Dobbs & Nellesen die Mechanisierung. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wuchs das Ensemble der Fabrikbauten – von den legendären Buschhämmern bis zur imposanten Weberei mit fortschrittlichen Maschinen.
Arbeiteralltag und soziale Verantwortung in der Textilfabrik
Leben und Arbeiten im Schatten der Fabrik
TL;DR: Rund 1.000 Beschäftigte arbeiteten zu Hochzeiten in Dahlerau. Die enge Lage im Wuppertal führte zu einer eng verbundenen Betriebsgemeinschaft, zu Arbeiterwohnhäusern und umfassender Versorgung.

Die Wohnhäuser der Firma füllten das Tal. Bildung, soziale Absicherung und Kinderbetreuung zählten früh zum Selbstverständnis der Unternehmensführung. Arbeitsmigration war im Nachkriegsdeutschland kein Fremdwort: Viele Arbeiter fanden im „Textildorf“ eine neue Heimat.
Die Arbeitswelt im Tuchgewerbe war von Disziplin, festen Hierarchien und der Vielfalt handwerklicher wie auch maschineller Tätigkeiten geprägt. Im Schichtbetrieb wurden Rauh-, Scheer-, und Webmaschinen von Männern und Frauen bedient; das Tuch verließ als Endprodukt in vordefinierten Mustern und Farben die Fabrik – entworfen und realisiert durch Hand und Maschine.
Technikgeschichte: Dampf, Wasser, Elektrizität und moderne Produktion
Energie aus Feuer und Wasser
TL;DR: Die Nutzung der Wupper sowie der Einsatz frühester Dampfmaschinen und Turbinen verliehen Wülfing eine technische Vorreiterrolle. Seit 1901 erzeugte die Fabrik sogar eigenen Strom für das Umland.

Maschinen, Muster, Meilensteine
Im Maschinenhaus dominiert bis heute eine 400-PS-Zweizylinder-Dampfmaschine von MAN Baujahr 1891. Ihr fast sechs Meter großes Schwungrad und der fabrizierte Maschinenraum demonstrieren einstige Größe. Die Umstellung auf elektrisch betriebene Spinn- und Webmaschinen prägte die Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg – sichtbar bis ins letzte Betriebsjahr 1996.
Die Webereisalons des Museums beherbergen Jaquardwebstühle, mit denen heute anschaulich demonstriert wird: Wie aus Kett- und Schussfäden, Mustern und kreativer Planung schließlich modische Stoffe entstehen.
Die Dampfmaschine wie auch die historischen Prüfgeräte sind an Aktionstagen funktionsfähig erlebbar. Termine und Schautage sind über das Museum zu erfragen.
Qualitätskontrolle und Textillabor
Schon lange vor ISO-Zertifikaten setzte Wülfing auf präzise Prüfmethoden: Im betriebseigenen Labor wurden Garnstärken, Faserqualität und Stoffeigenschaften gemessen. Bis heute präsentiert das Wülfingmuseum diverse Prüfgeräte: von der klassischen Garnweife bis zum modernen Scheuerprüfgerät – anschaulich erklärt für Besucher aller Altersgruppen.
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Die Wupper – Industriefluss und Lebensader
Entwicklung zur Industrielandschaft am Fluss
TL;DR: Die Wupper war Motor und Gefahrenquelle zugleich. Mühlen, Hämmer, dann Textilfabriken prägten ihr Bild – und hinterließen Spuren.

Einst galten Müllereien als erste Energie- und Arbeitsquelle. Doch mit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts verdrängten Textilfabriken und Stahlhämmer die bäuerlichen und handwerklichen Strukturen. Die Nutzung der Wupper brachte Wohlstand – aber auch erhebliche Umweltprobleme, die sich bis weit ins 20. Jahrhundert hielten. Die Industrie stieg und fiel mit dem Wasserstand, bis die Elektrifizierung und neue Energieformen für stabile Produktion sorgten. In der Folge sind heute viele Standorte verschwunden, manchen blieben als Industriedenkmäler.
Das Museum heute: Erinnern, Erleben, Verstehen
Ausstellung und Aktionstage als Erlebnisfaktor
TL;DR: Das Wülfingmuseum bietet tiefgehende Einblicke – von technischen Originalen bis zur kulturellen Einbettung. Durch Aktionstage wird die Vergangenheit lebendig und für Jung wie Alt zugänglich.

Die Dauerausstellung erstreckt sich über mehrere Etagen des historischen Fabrikgebäudes. Der Fokus liegt auf anschaulicher Vermittlung: Besucher erleben Webmaschinen mit authentischem Lärm, sehen Prüfgeräte in Aktion oder können Fasermaterialien ertasten. Die thematischen Schwerpunkte reichen von Technik- und Modegeschichte über Energieversorgung bis zu sozialgeschichtlichen Fragen.
Pfiffige Sonderausstellungen, Bildungstage für Schulen und Aktionstage mit Live-Betrieb historischer Maschinen sorgen für Erlebnisse, die weit über klassische Museumsbesuche hinausgehen. Besonders beliebt: Textilworkshops, Führungen zur Maschinenwelt, Geschichten rund um die Wülfing-Belegschaft und die bewegte Industriegeschichte des Bergischen Landes.
Vorteile & Nachteile auf einen Blick
Vorteile
- Authentische Originalmaschinen und vielfältige Exponate
- Anschauliche Vermittlung mit Erlebnis- und Lernangeboten
Nachteile
- Barrierefreiheit nur eingeschränkt gegeben
- Themenschwerpunkte erfordern persönliches Interesse an Industrie- und Technikgeschichte
Checkliste für die Praxis
- Aktionstage für Führungen und Dampfmaschinen-Vorführungen nutzen
- Vorab Informationen zu Öffnungszeiten und Barrierefreiheit einholen
- Praktische Kleidung für Museumsbesuch im Industriedenkmal wählen
- Für Gruppen- und Schulführungen vorher Kontakt aufnehmen
Wissenswertes für den Besuch
Der Eintritt beträgt aktuell 4 Euro, an Aktionstagen 5 Euro. Gruppenführungen sind nach Anmeldung möglich. Die Ausstellung verteilt sich über mehrere Ebenen eines historischen Gebäudes, was ein authentisches, aber nicht durchgehend barrierefreies Erlebnis schafft. Besonders für Familien und Technikinteressierte bietet das Museum spannende Angebote. Schulklassen profitieren von individuellen Führungen und praktischen Einblicken.
Zielgruppen im Blick
Perspektive für 20–40 Jahre
Für junge Erwachsene und Familien bietet das Museum lebendige Technik zum Anfassen. Workshops und Aktionstage eröffnen neue Perspektiven auf Nachhaltigkeit, Mode und die Bedeutung regionaler Industriegeschichte. Wer Kultur und Technik verbinden möchte, erlebt hier spannende Einblicke in die Ursprünge moderner Textilproduktion.
Perspektive für 40–60 Jahre
Technische Faszination, Nostalgie und der Bezug zur eigenen Familiengeschichte stehen im Zentrum. Viele Besucher:innen erinnern sich noch an die Zeit des Strukturwandels im Bergischen Land oder haben Angehörige, die in der Textilindustrie arbeiteten. Das Museum bietet Raum für Austausch, Erinnerung und Weitergabe von Erlebnissen an die nächste Generation.
Perspektive ab 60
Der Besuch knüpft an die eigene Lebenswirklichkeit vieler Älterer an. Geschichten aus der Lehrzeit, Kindheit oder Familienhistorie erhalten hier einen Ort der Würdigung. Gleichzeitig öffnen Workshops und Vorträge neue Blicke auf Vergangenes, laden zum Staunen und Erinnern ein.
„Das Wülfingmuseum versteht sich als offenes Archiv – Erinnern, Erleben und Begegnen schließen sich hier nicht aus, sondern bedingen einander.“
JWSMuseum e.V.
Sie möchten mehr über die Industrie- und Sozialgeschichte des Tals der Wupper erfahren? Das Wülfingmuseum heißt alle Besuchergruppen willkommen und bietet individuelle Führungen und Veranstaltungen – von Technikvorführungen bis Familienaktionen.
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